Orientierungssystem

Diese Herrschaften lassen nicht locker, wenn es ums Kunstareal geht - Spitzenvertreter von Kultur, Wissenschaft und Politik präsentieren das neue, gemeinsame Erkennungszeichen der Maxvorstädter Kulturinstitutionen beim Ortstermin vor der Alten Pinakothek. (v.l.n.r.: Prof. Dr. Hufnagl, Dr. Michalke, Stadtbaurätin Prof. Dr.(I) Merk, Staatsminister Dr. Heubisch, Prof. Wolfrum, Prof. Dr. Friedel)
Mehr Sichtbarkeit, bessere Orientierung
Mit dem Schwerpunkt »Orientierung und Sichtbarkeit im Kunstareal München« startete die Projektgruppe Kunstareal München in das laufende Jahr 2011. Das Kunstareal München mit den Museen, Galerien und Bildungsinstitutionen rund um die Pinakotheken und dem Königsplatz befindet sich mitten im Wandel und Aufbruch. Die Ikonografie der Häuser und die hohe Qualität der Sammlungen im Kunstareal stehen in deutlichem Kontrast zu ihrer öffentlichen Wahrnehmung: Häuser werden in ihrer Funktion nicht erkannt, die Adressbildung ist problematisch, Eingänge werden nicht wahrgenommen. Das soll sich ändern: Acht renommierte Kommunikationsbüros waren eingeladen, Konzepte zur verbesserten Besucherorientierung und Sichtbarkeit im realen wie im digitalen Raum zu entwickeln. Die Konzepte wurden vom 22.06.-24.07.2011 in der Pinakothek der Moderne der Öffentlichkeit präsentiert und zur Diskussion gestellt. Die Stiftung Pinakothek der Moderne hat den Designwettbewerb maßgeblich initiiert und getragen.
Eine 18-köpfige Jury aus Direktoren und Sammlungsleitern im Kunstareal sowie Vertretern der Landeshauptstadt München, des Freistaates Bayern, des Bezirksausschusses und Experten für Architektur und Stadtplanung wählte den Entwurf des Münchner Büros Thomas Mayfried Visuelle Kommunikation zum Sieger des geladenen Wettberwerbs mit klarer Mehrheit aus den acht eingereichten Wettbewerbsbeiträgen aus.
Die Idee: Vom Areal zur Netzstruktur
Mayfried, der auch das aktuelle Erscheinungsbild des Hauses der Kunst maßgeblich geprägt hat, überzeugte die Juroren mit einer starken Wort-/Bildmarke und einem Pattern aus schwarzweißen Quadraten als zentrales Gestaltungselement für optimale Sichtbarkeit im realen und virtuellen Raum, vor allem aber auch durch die konzeptionelle Geschlossenheit und die hohe Nutzerfreundlichkeit seines Wettbewerbsbeitrages. Die eigenen, vielfach international gebrandeten Erscheinungsbilder einzelner Institutionen sollen dabei erhalten bleiben. Alle zentralen Elemente des Konzepts werden erstmals auf der neuen Website des Kunstareals in Erscheinung treten. Sie soll den Besuchern im Laufe des Jahres 2012 zur Verfügung stehen.
Kerngedanke des Gewinner-Entwurfs von Thomas Mayfried, Swantje Grundler und Daniel Rogge ist die Idee der fußgängerfreundlichen Direktverbindungen. Diese vorhandenen Trampelpfade, ohnehin bereits halb institutionalisiert, werden in das Wegleitsystem eingebunden und schaffen eine lebensnahe Netzstruktur, die den intuitiven Bewegungsgewohnheiten der Menschen folgt – nicht umgekehrt. Sogenannte „All-in-one-Beschilderungssysteme“ – Sitzmöbel und Wegweiser in einem – markieren die Direktverbindungen und steigern die Erlebnisqualität im Kunstareal. Die Netzstruktur spiegelt sich auch im digitalen Raum. Dr. Markus Michalke, Vorsitzender der Stiftung Pinakothek der Moderne, hebt vor allem die gelungene Online-Integration hervor: „Durch die Entwicklung eines Begleiters auf jeder Website der einzelnen Institutionen, die gleich einer Klappkarte die Ausstellungen aller anderen Häuser in die Website einschiebt, wird einerseits die Individualität der einzelnen Häuser gewahrt, anderseits die Verbindung zum Universum der anderen, so nahe liegenden Häuser offenbar. Er begleitet durch den geistigen Raum aller Institutionen im Kunstareal.“
Das Ziel: intuitiv finden, beiläufig entdecken
Mit ihrer Entscheidung für das Konzept von Thomas Mayfried folgte die Jury des Designwettbewerbs vor allem der Auffassung des Designers, dass es in diesem Fall gar nicht das Ziel eines Orientierungssystems sein könne, den Besucher lediglich auf schnellstem Wege von A nach B zu führen. „Das ganze Potenzial des Kunstareals können wir mit einem Orientierungssystem viel besser erschließen, wenn wir auch im realen Raum sichtbare Querverbindungen zwischen den Häusern schaffen und den Besucher damit sogar auffordern, vom ursprünglichen Raster abzuweichen und auf eine Entdeckungsreise zu gehen“, erklärt der Designer seine Vision des Kunstareals. Dabei werde er aber nie allein gelassen, sondern kompetent begleitet, sei es durch das Orientierungssystem, einen Faltplan oder mobile Online-Anwendungen.
Das Verfahren zum Grafischen Erscheinungsbild Kunstareal München ist eingebettet in das laufende städtisch-staatliche Gemeinschaftsprojekt zur Entwicklung des Kunstareals. Die Stiftung Pinakothek der Moderne begleitet als Initiatorin der im April 2009 durchgeführten Konferenz Kunstareal München weiterhin das Projekt. Die Stiftung wurde durch die Projektgruppe beauftragt, den geladenen Wettbewerb zu tragen und zusammen mit dem Lehrstuhl für Städtebau und Regionalplanung durchzuführen.
Pressematerial zum grafischen Erscheinungsbild und Orientierungssystem finden Sie hier.
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